Technologie-Trends für 2020

29.10.2019

Wie bereits in den vergangenen Jahren werfen die Marktforscher und IT-Analysten von Gartner auch in diesem Oktober wieder einen Blick auf die Technologie-Trends, die im nächsten Jahr strategisch relevant werden. Zum ersten Mal seit den Trends für 2017 löst Gartner dabei die selbst gewählte Kategorisierung ab. Bisher fassten sie die relevanten Trends unter den Themengebieten „Intelligent“, „Digital“ und „Mesh“ zusammen. Ab 2020 rücken Mensch („People-centric“) und Raum („Smart Spaces“) in den Mittelpunkt.

Die Technologien der Zukunft: der Mensch im Fokus

Durch den neuen Fokus auf den Menschen rückt Gartner Technologien in den Mittelpunkt, mit denen sich Unternehmen künftig beschäftigen müssen, um Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern gleichermaßen gerecht zu werden. Mit AR, Machine Learning, Cloud und Co. sind in den vergangenen Jahren die Grundlagen gelegt und gefestigt worden. Jetzt ist es wichtig, den Menschen in den Kontext der etablierten Technologien zu setzen. Folglich prophezeit Gartner für 2020 einen strategischen Fokus auf folgende Technologien:

Hyperautomation: Das bedeutet Automatisierung über Tool-Grenzen hinweg. Das Ergebnis ist die Kombination von Robotic Process Automation, intelligenter Business-Management-Software, Machine Learning, etc. für KI-basierte Entscheidungsprozesse.

Multiexperience: Von „der Mensch versteht die Technik“ hin zu „die Technik versteht den Menschen“: Wearables, AR, Spracherkennung, Sensoren und Co. erzeugen zusammen eine vollständig immersive Interaktion.

Democratization: Jeder Bürger erhält Zugriff auf technologisches Fachwissen, ohne aufwändige Trainings zu absolvieren. Dadurch erwartet Gartner die Demokratisierung von Entwicklung, Daten und Analytics, Design und Wissen.

Human Augmentation: Gartner erwartet die Erweiterung der psychischen oder physischen Erfahrung des Menschen durch die Verwendung von Implantaten und Wearables (z.B. sensorische Gadgets, Exoskelette, Gehirn-Implantate oder Zelltherapie).

Transparency & Traceability: Datenschutz-Bedenken und die Frage nach den Daten hinter KI und Machine Learning nehmen zu. Dadurch gewinnen Daten-Ethik, Integrität, Offenheit, Kompetenz, Konsistenz und Haftung an Bedeutung.

Strategische Trends für Smart Spaces

Der Mensch wiederum wird in den Kontext seiner zunehmend smarten Umwelt gesetzt. Smart Buildings und Cities nutzen bereits heute Technologien wie Künstliche Intelligenz und Edge Computing. Für die Zukunft sieht Gartner hier außerdem mehr und mehr Fusionen hin zu neuen Technologien:

Empowered Edge: Edge computing erfasst und verarbeitet Informationen, wo sie entstehen. Dieser Ansatz wird noch einflussreicher und bringt relevante Anwendungen noch näher an Nutzer und Endgerät.

Distributed Cloud: Public Cloud Services werden auch auf externe Rechenzentren jenseits des Anbieters verteilt. Damit lassen sich Latenz- und Datenschutz-Probleme beheben.

Autonomous Things: Autonome Drohnen, Roboter, Fahrzeuge, etc. verlassen die kontrollierten Umgebungen und etablieren sich in unserer Umwelt. Dabei agieren sie zunehmend auch im Schwarm.

Practical Blockchain: Blockchain-Technologie geht vom Edge Case in die Praxis über und hält in immer mehr Alltagsbereichen Einzug. Die uneingeschränkte praktische Reife für Unternehmen ist jedoch noch immer nicht erreicht.

AI Security: Neue Technologien ermöglichen neue Angriffspunkte. KI-Systeme benötigen entsprechende Schutz-Maßnahmen, können aber auch selbst als Schutz eingesetzt werden und Angriffe durch andere KI-Algorithmen vorhersehen.

Operativ betrachtet: Technologien in der Umsetzung

Der Schwenk zum Menschen und den Smart Spaces zieht sich thematisch bereits länger durch die Diskussionen. Inzwischen sind zahlreiche Technologien so weit entwickelt, dass sie im Kleinen und auch im Großen Einzug halten in den Unternehmen. Künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge, Augmented Reality und Co. finden in den verschiedensten Industrie-Bereichen Anwendung. Aber wie auch der Gartner-Ausblick auf 2020 zeigt, wird es nicht die eine Technologie sein, die ein Unternehmen zukunftsfähig macht. Jetzt kommt es besonders auf die Kombination relevanter Technologien an.

So sind zum Beispiel aus den „Intelligent Things“, die Gartner für 2017 als trending ansah, inzwischen „Autonomous Things“ geworden, die sich einer realen Umwelt stellen und autonom zusammenarbeiten sollen. Virtuelle und erweiterte Realitäten haben Marktreife erreicht und fließen künftig als Bestandteil in „Multiexperiences“ oder in „Human Augmentation“ ein. Der „Digital Twin“ war in den letzten drei Jahren fester Bestandteil der strategischen Technologie-Trends, ist aber inzwischen operativ erwachsen geworden und avanciert zum integralen Bestandteil der „Hyperautomation“.

Dass diese Trends unweigerlich zu den nächsten Disruptionen führen werden, steht für Gartner fest. Dementsprechend dürften sie und ihre Ausdifferenzierungen die nächsten Jahre bestimmen. In der Zwischenzeit ist es vor allem für die kleinen und mittelständischen Unternehmen relevant, mit etablierten und operativen Technologien die eigenen Digitalisierungsbedarfe auszuloten.

Weitere Informationen zu den strategischen Technologie-Trends für kommendes und auch die letzten Jahre finden sie bei Gartner: 2020  |  2019  |  2018  |  2017

 

Autor: André Nimtz